Muss das immer so kompliziert sein?

Unbequeme Antwort: Ja. Bildrechte oder generell Rechte an gedanklichem Gut sind ein schwer zu regelndes Thema und entsprechend haben sich schon viele Leute um viele Lösungen gestritten. Die gute Nachricht: Man muss nicht alles gleichzeitig wissen und anwenden.
Dazu sei gesagt, dass die Informationen hier unserer Erfahrung und bestem Wissen entsprechen. Es ist nicht als Rechtsberatung zu verstehen und hat keinen Anspruch auf Richtigkeit.

Was ist was?

Urheberrecht

Das Urheberrecht ist das Recht am eigenen Gedankengut und darunter fällt im Grunde alles, was du aus eigenen Ideen erschaffst. Bilder, Texte, selbst Charaktere oder Kreaturen können dem Urheberrecht unterliegen, sofern sie als schützenswert erachtet werden. Sprich: Ich hab’s erfunden und darf bestimmen, was damit passiert. Kein anderer darf behaupten, dass er das gemacht hat und es auch nicht einfach vervielfältigen.

Nutzungsrecht

Das Nutzungsrecht ist das Recht, bestimmtes Gedankengut zu benutzen. Wenn du als Freelance Artist einen Auftrag annimmst, verkaufst du für gewöhnlich dieses an den Auftraggeber: Er darf dein Werk verwenden, aber nicht behaupten, dass er es selber gemacht hat, und für gewöhnlich auch niemand weiterem erlauben, es zu verwenden.

Und was heißt das für mich??

Als Auftraggeber

Es mag dir erstmal kleinlich erscheinen, wenn der Künstler seine Rechte schützen will, aber sieh die Sache mal von der anderen Seite: Wenn du einen Auftrag vergibst und Geld für ein Bild ausgegeben hast, möchtest du nicht, dass jemand anderes Vorteile davon hat, ohne etwas beigetragen zu haben, right? Der Künstler investiert an dieser Stelle Geld in Form von Lern- und Arbeitszeit. Der gegenseitige Respekt für die Bemühungen und die Investitionen des anderen schützt nicht nur den Künstler, sondern auch dich gegen Diebstahl.

Als Künstler

Als Künstler muss man den Unterschied im Hinterkopf behalten und genau definieren, was man mit dem Auftrag verkauft. Wenn du ein Bild malst, das jemand seinem Partner zum Jahrestag verschenken möchte, verkaufst du mit dem Bild das Recht zur privaten Nutzung. Das bedeutet: Der Auftraggeber darf das Bild privat ausdrucken, herumzeigen, in privaten Social-Media-Kanälen nutzen und auch ausgedruckte Versionen davon verschenken. Alles, womit er kein Geld verdient und keine Eigenwerbung für ein Geschäft macht, gilt als privat und das kannst und solltest du nicht einschränken.

Wenn dein Kunde dich beauftragt, etwas zu zeichnen, was er für irgendeine Form von Geschäft verwenden möchte, dann verkaufst du das Recht zur gewerblichen Nutzung. Diese ist aus dem Grund teurer als die private, weil dein Kunde damit Geld verdienen oder seine Einnahmen steigern kann. Es ist also ein Investment, und genau so solltest du es auch darstellen. Ein Beispiel: Twitch-Emotes machen einen Streaming-Kanal attraktiver und werden als Belohnung für Support vergeben – das bedeutet, er verkauft das Nutzen deiner Emotes weiter und verdient Geld damit. Er investiert also, um später damit zu verdienen.

Es ist generell sinnvoll, Nutzungsrechte und -bedingungen bei jedem Auftrag in der Auftragsbestätigung oder auf der Rechnung zu vermerken, um im Zweifel drauf verweisen zu können. Dabei muss man kein Fachchinesisch verwenden, um professioneller rüberzukommen – erfahrungsgemäß sind Privatpersonen für gut verständliche Formulierungen dankbar.

Beispiele

Hier sind ein paar Beispiele, wie ich Nutzungsrechtsklauseln gerne aufschreibe:

Private Nutzung: Das Bild oder die Bilder aus diesem Auftrag dürfen zu allen privaten Zwecken genutzt werden. Das heißt, du darfst es als Avatar oder Banner auf deinen privaten Social-Media-Kanälen nutzen, es ausdrucken, um es selber aufzuhängen oder auch, um es an Freunde oder Familie zu verschenken. 
Du darfst es aber nicht auf gewerblichen Seiten nutzen, z.B. Shopseiten, Twitch-Affiliate-Kanäle, abonnierbare Youtube-Kanäle oder gewerbliche Social-Media-Auftritte. Du darfst keine Flyer oder Werbegeschenke daraus machen und kein Merchandise damit verkaufen. Wenn du das irgendwann doch möchtest, sprich mich bitte an.
Ich behalte mir vor, das Bild zu reinen Selbstwerbezwecken zu verwenden, d.h. ich darf es z.B. auf Instagram etc. posten, ohne dich zu fragen. Ich darf aber keine Flyer oder Werbegeschenke damit bedrucken und auch kein Merchandise damit verkaufen. Sollte ich es z.B. für einen Sammelband verwenden wollen, spreche ich es mit dir ab.

Emotenutzung: Die Emotes aus diesem Auftrag dürfen ausschließlich als Zuschauerbelohnung und für digitale Werbung benutzt werden. Du darfst sie auf beliebig vielen eigenen Kanälen hochladen, sie als Avatar oder auf Social-Media-Posts verwenden und privat auch ausdrucken.
Du darfst sie aber nicht auf Merchandise-Produkten verkaufen, oder die Emotes selbst weiterverkaufen. Wenn der Bedarf besteht, sprich mich bitte an.
Ich behalte mir vor, die Emotes zur Eigenwerbung zu verwenden. Das heißt, ich darf sie auf Social-Media-Post abbilden, aber ich darf sie weder auf eigenen Kanälen oder Discordservern benutzen und auch nicht auf Services wie BTTV hochladen.

Alleinige gewerbliche Nutzung: Du darfst das Bild für alles benutzen, ob auf Social Media oder als Merchandise. Ich freue mich, wenn du mich als Künstler erwähnst, musst du aber nicht.
Du darfst aber nicht behaupten, das Bild selbst gemalt zu haben und es nicht an andere verkaufen, damit sie es nutzen können wie du.
Ich behalte mir das Recht vor, es zu Selbstwerbezwecken zu verwenden, verweise aber gern auf dich oder dein Projekt als Auftraggeber.

Fan Art

Fan Art ist ein heißes Pflaster, weil nicht nur Werke, sondern auch Charaktere dem Urheberrecht unterliegen. Das heißt, wenn du einen Charakter aus einem Spiel zeichnest, ergibt sich ein Konflikt, denn du hast es zwar gemalt, die Figur gehört aber jemand anderem. Strenggenommen verletzt du mit der unerwünschten Darstellung eines Charakters also das Urheberrecht des Originalautors.

Jetzt wird Fan Art von vielen trotzdem gern gesehen, und solange damit kein Geld gemacht wird, gibt es auch selten Probleme. Wo es schwierig wird, sind Darstellungen, die z.B. rassistisch oder anders meinungsbildend sind, so dass es aufs Original zurückfallen könnte. Da es aber jedem selber überlassen ist, sollte man sich über die Fan-Art-Politik des jeweiligen Franchises einzeln informieren.

Beispiele

Nintendo hat für Pokemon definiert: Alles, wo Pokemon drauf sind, gehört Nintendo. Das heißt, wenn du ein Fan Art mit einem Pokemon zeichnest, dann könnte theoretisch Nintendo daherkommen und sagen „danke, wir benutzen das jetzt als Motiv für das neue T-Shirt“ und weder bekommst du einen Cent von den Verkäufen noch wirst du als Künstler erwähnt. Das klingt erstmal hässlich, ist aber ihr gutes Recht. Bedenkt man die vielen illegalen Plagiate, ist es der Firma auch kaum zu verübeln, dass sie da eine harte Schiene fährt.

Square Enix bittet um Unterlassung, Charaktere aus FinalFantasy 14 in Outfits aus anderen Spielen darzustellen, weil es die Urheberrechtssituation verkompliziert. Auch von Fan Art oder modifizierten Screenshots mit sexuellen Inhalten wird Abstand genommen, weil es dem Image des Originals schadet.

Fan Art

Hast du weitere Franchises recherchiert und findest, sie sollten hier aufgeführt werden? Hast du Ideen, was für sinnvolle Beispiele wir noch hinzufügen könnten? Schreib uns auf Discord!